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Ausgrabungen der mittelalterlichen Stadt Nienover
211. Tag des Jahres Heimatpflege im Uslarer Land - Solling Datum: 30.07.2014 - Uhrzeit: 23:15:14
Ausgrabung der mittelalterlichen Stadt Nienover
Wissenswertes
Ausgrabung

Die Vorgeschichte zum Nachbau des mittelalterlichen Hauses in Nienover

Wir haben es Professor Dr. Hans-Georg Stephan zu verdanken, dass es 1996 zu Ausgrabungsarbeiten in Nienover kam.

Er war zu der Zeit Leiter des Seminars für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Göttingen. Von dort aus begann er Anfang der 1990er Jahre mit den Untersuchungen und Forschungen zur Frage: „Hat es in Nienover eine Altstadt gegeben?“.

Mühevolle Vorarbeit war notwendig, um die Voraussetzungen für die Durchführung des Projekts zu schaffen.

Untersuchungen im Gelände und Forschungen in Archiven reichten allein dazu nicht aus.

Es mussten erhebliche behördliche und finanzielle Hürden überwunden werden.

Schließlich war es aber geschafft.

Die ersten Grabungen
Die ersten Grabungen

Mit einer Hand voll Mitarbeitern begann er 1996 mit den ersten Grabungen, die schon bald zu Ergebnissen führten, die seine Einschätzungen bestätigten.

Für die hiesige Bevölkerung waren sie eine Sensation. Niemand in Nienover, Polier und Amelith hatte eine Ahnung von dieser versunkenen Siedlung.

Fortschritte 2002 - 2006
Grabungsareal

So verfolgte man die Ausgrabungen in den Jahren 2002 bis 2006 und sah immer wieder neue zu Tage geförderte Reste einer mittelalterlichen Stadt, die nachweislich von etwa 1190 bis 1270 bestanden hat.

Keller aus Stein und Holz
Ausgrabung eines Kellers

Es wurden 16 gemauerte Keller und weitere 11 Holzkeller entdeckt, dazu etliche Brunnen. Anhand der Keramikfunde im Brandschutt war eine annähernd genaue Feststellung der Siedlungsgeschichte dieser Stadt möglich. Andere Funde lassen Schlüsse über die Lebensverhältnisse und Lebensart der Bewohner zu.

Gründung der Stadt um 1190
Häerreihe

Die Stadt wurde von den Grafen von Dassel um 1190 gegründet. Sie wurde im 13. Jahrhundert zweimal, um 1210 - 20 und 1270, durch Kampfhandlungen zerstört und nach 1270 nicht wieder aufgebaut.

Die Grafen residierten im Schloss Nienover. Nachdem sie 1303 das Schloss mit dem Amt Nienover an die Welfen verkauft hatten, schlief das höfische Leben im Schloss ein und die Stadt Nienover fiel schließlich wüst. Sie wird 1318 erst- und letztmalig als Stadt erwähnt.

Die Ausgrabungen haben eine Fülle von wissenschaftlichen Ergebnissen erbracht, die zur Zeit noch ausgewertet werden.

Einstellung der Grabungsarbeiten
Bedeckung des Grabungsgebietes


Ende 2006 mussten die Arbeiten eingestellt und das Gelände wieder eingeebnet werden.

Man hatte dem Südsolling einen Schatz in die Hände gelegt, er hat ihn schnell wieder verloren.

Besucher stehen am Zaun und fragen uns: „Warum wurde das alles wieder zugeschüttet?“ Die Beantwortung dieser Frage fällt uns schwer. Auf der ergrünten Fläche weiden die Pferde der neuen Eigentümerin des Schlosses Nienover, Frau Dr. Mireille van Meer.

Rekonstruktion eines mittelalterlichen Hauses
Mittelalterlicher Hausnachbau

Immerhin wird auf einem während der Grabung freigelegten Originalfundament eines Hauses, in dem möglicherweise ein Bäcker wohnte, jetzt der Nachbau eines mittelalterlichen Hauses errichtet, damit unserer Nachwelt ein sichtbarer Nachweis der Altstadt Nienover erhalten bleibt.

Mehr dazu... Bau eines mittelalterlichen Hauses

Vorschau
Zeichnung von Nienover

Herr Professor Dr. Stephan ist heute an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg tätig.

Er wird demnächst ein Buch über seine Ausgrabungsarbeiten im Solling herausbringen, in dem die Altstadt Nienover sicher einen hohen Rang einnehmen wird.

Wir freuen uns auf dieses Werk.

Mit der nachstehend aufgeführten Bilderserie wollen wir dem nicht vorgreifen, sondern im Gegenteil Interesse wecken, es zu erwerben und zu lesen.

Foto und Dokumentation:
Horst Weinreis

Die begleitende Fotoserie von Horst Weinreis finden Sie in der rechten Navigation
oder in der Fotoshow...
Ausgrabung der mittelalterlichen Stadt Nienover